Tacklewahn beim Karpfenangeln

Gern erinnere ich mich noch an meine Kindheit, in der ich oft auf Weißfische stippen war. „Bewaffnet“ nur mit einer Bambusstippe, einem Eimer für den Fang und natürlich einem Gurkenglas gefüllt mit Erde und einigen Regenwürmern vom Misthaufen nebenan.Die Jahre vergingen und mittlerweile bin ich vom Aal- über den Hecht- zum Karpfenangler mutiert. Mit der anglerischen Erfahrung wuchsen nach der Wende auch die Ansprüche hinsichtlich der benötigten Ausrüstung, nicht zuletzt durch farbenfrohe Werbung in vielen Abgellektüren und gegenseitiges „Aufpeitschen“ in Angelforen und beim gemeinsamen angeln.

Oftmals zählt doch leider der Vergleich, wer denn den „Längsten“ hat…

Gemäß der allseits bekannten Werbung: Mein Haus, mein Boot usw.

Reichte früher zum Schlafen am See eine einfache Luftmatratze, muss es heute ein sogenanntes Bedchair sein. Zum Nächtigen reicht kein 20 € Zelt, nein, es muss auch aus zweifelhaften Umweltschutzgründen ein ultrateures Zelt mit herausnehmbaren Boden sein. Bivvy nennt man sowas heute. An manchen Gewässern sind auch nur grüne Zelte erlaubt… Weitere Beispiele könnte ich im Dutzend aufzählen.

Ausrüstung des Karpfenanglers

In den letzten Jahren bildete sich zunehmend eine große deutsche Karpfenszene, mit all ihren guten und schlechten Seiten. Viele Angler beschäftigen sich schon fast hauptberuflich damit, den Karpfen nachzustellen und immer neue Rekorde aufzustellen. Obwohl eigentlich in Deutschland verboten, setzt sich dabei positiverweise das Catch & Release immer mehr durch. Große Fische werden gefangen und (meist nach einem Foto) wieder freigelassen.

Mit der steigenden Nachfrage an Angelgeräten entstand auch ein ganz neuer Markt. Viele Firmen stellen ausschließlich Artikel für den Karpfenangler her. Musste man sich früher noch oft mit Selbstgebasteltem behelfen, so gibt es heute ein fast unüberschaubares Angebot an nützlichem und oft auch unsinnigem Zubehör.

Immer schlimmer setzt sich auch der Markenwahn durch. Wie bei den Kindern in der Schule. Trägt man dort nicht Textilien ganz bekannter teurer Marken, wird man verhöhnt. Ähnliches konnte ich schon bei den Karpfenanglern beobachten. Ohje, Ruten der Firma xy. Wie kann man nur… Safety Clips für Festbleimontagen, die regelmäßig bei Krautkontakt das Blei verlieren. Der Tackledealer nebenan hat ja genug auf Vorrat. Elektronische Bissanzeiger sind bei den oft tagelangen Sessions auf Karpfen eine feine Sache. Jeder Biss wird durch ein Ton- und Lichtsignal an die Umgebung gesendet.

Aber reicht da nicht ein Carp Sounder Standard? Muss es ein Modell mit viel elektronischem Schnick Schnack zum Setpreis von um die 1000 € sein, das die Signale per Funk direkt ins Bivvy des Anglers überträgt?

Angelt man früher noch mit Mais und Kartoffeln (im übrigen sind beides noch immer ganz hervorragende Köder) müssen es heute Boilies sein. Zudem werden sie kiloweise in die Gewässer geschüttet. Bei Kilopreisen von 8 € aufwärts. Ich bleibe da bei zumindestens beim Anfüttern bei meinem Mais, den ich vom Tierfutterhändler in der Nähe im 25 Kilo Sack für 8,50 € bekomme.

Karpfen aus vorher unbekanntem Gewässer

Back to the Roots ist meine Devise. Sucht Euch Gewässer, die nicht überangelt sind und haltet nach den Fischen Ausschau. Sucht Hotspots. Das wird Euch mehr bringen als jegliches Hitec-Tackle. Der Erfolg wird Euch Recht geben!

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