Level 3

Vor allem während meiner Kindheit besuchte ich des öfteren meine Großeltern sowie Onkel und Tante, die gemeinsam an einem großen Hof in einem Dorf im Großkreis Prenzlau wohnten. Was tut man während heißer Tage in den Sommerferien? Natürlich vertreiben sich Halbwüchsige allerliebst die Zeit am Wasser. Zum Baden ging es an die verschiedensten Seen in der Umgebung. Einer verfügte auch über einen wunderbaren Sprungturm Marke Eigenbau sowie über eine klasse Affenschaukel. Gemeinsam mit meinen Cousins hatte ich viel Spaß.

Dieser See sollte nun nach all den Jahren Ziel eines Angeltrips werden. Nicht auf die berüchtigten Meteraale des besagten Sees sollte es gehen, nein, auch kapitale Karpfen sollen ab und zu an den Haken gehen.

Nach einem Abstecher an den Hof meiner Verwandten traf ich am Nachmittag am See ein. Mein erster Weg führte mich zur alten Badestelle. In dem Bereich ist die komplette Uferseite beangelbar. Die Umgebung des Sees zeigt sich sehr aufgeräumt und sauber. Kompliment an die heimische Ortsgruppe des DAV. Weiterhin sind rings um den See an schwieriger zugänglichen Stellen viele Eingenbau-Stege vorhanden.

Karpfenansitz vom Steg
Karpfenansitz vom Steg

Schnell wurde das Schlauchboot aufgepumpt und mit dem Echolot ging es zur ersten Erkundung. Der Boden fiel an der Strandseite relativ schnell bis auf 7 Meter ab. Zu tief für meinen Geschmack zum Karpfenangeln zu dieser Jahreszeit. Ich überquerte den See im Boot Richtung lange Schilfkante. Dort fand ich in einer ruhigen, schilfumwachsenen Ecke einen recht großen Steg, der meinen Anforderungen hinsichtlich des Platzbedarfes entsprach. Ich ließ das Boot liegen, machte mich zu Fuß auf zurück zum Auto und holte es nach. Bald hatte ich Bivvy, Ruten & co. aufgebaut und Marker gesetzt. Die Schilfkanten zu meiner Linken und gegenüber des Angelplatzes hatten es mir angetan. Anfütterungstechnisch verfuhr ich wie gewohnt. Ich legte einen Maisteppich an und legte die Köder (Boilies) in 2 Metern Tiefe darüber. Ich füttere fast nie mit Boilies an, der Spaß ist mir zu teuer. In der ersten Nacht sollten Mais- und Muschelboilies die Karpfen überlisten. Die Lufttemperaturen sollten in den kommenden Tagen wieder hochsommerlich werden, ich war optimistisch.

Morgenstimmung
Morgenstimmung

Leider blieb es beim Optimismus, die Bissanzeiger blieben die ganze Nacht ruhig. Der kommende Tag begann mit einem kühlen, aber malerischen Morgen. Nebel zog über den See. Bald tauchte am Platz neben mir ein Hechtangler auf, der mit dem Köderfisch bis Mittag leider erfolglos den Hechten nachstellte. Ich vertrieb mir die Zeit mit einer Matchrute und stellte mit Kartoffel und Mais den Weißfischen nach. Tagsüber war es sehr heiß, der Abend brachte dann die erhoffte Abkühlung.

Ich setzte nochmal einen Marker um, diesmal in 4 Meter Wassertiefe. Fix gingen einige Hände Mais ins Wasser und ersetzte die alten Boilies gegen meinen Geheimköder, 3 Jahre alte Scopex-Boilies von Top Secret. Verpöhnt und geliebt. Viel wird über diese Marke diskutiert. Mir brachten TS Boilies bisher Erfolg. Ich hoffte mit Scopex richtig zu liegen. Ein Sprichwort sagt: Um so heisser die Tage, um so süßer den Boilie wählen. So tat ich es.

Mein Cousin besuchte mich und blieb auch bis zum nächsten Morgen. Er versuchte mit dem Köderfisch sein Glück auf Aale, blieb jedoch erfolglos.

Sensible Hangar
Sensible Hangar

Der weitere Abend verlief ruhig, um Mitternacht dann ein einzelner Piep. Und wieder. Langsam machte ich mich aus dem Bivvy auf in Richtung Rod Pod. Der Bobbin bewegte sich milimeterweise auf und ab. Am Ende der Straff gespannten Schnur sollte eine Festbleimontage mit Inlineblei die Fische überlisten. Und wieder tänzelte der Bobbin ganz leicht auf und ab. Plötzlich sackte er runter. Ein Fallbiss, Zeit für den Anhieb. Schwer! Ich spürte nur ein starkes Gewicht am anderen Ende der Schnur. Sollte ich nur Kraut am Rig haben? Ein kräftiges Ruckeln lies diesen Gedanken schnell verschwinden. Der Fisch versuchte den Haken loszuwerden. Relativ schnell lies der Fisch sich Richtung Steg bewegen, er machte sich nur immer wieder schwer. Mein letzter 20 Pfünder kämpfte da wesentlich härter. In der Nähe des Steges, das Wasser war dort immerhin noch 2 Meter tief, setzte der Karpfen zu einigen letzen harten Fluchten an. Diese führten auch direkt unter den Steg, der weit aus dem Wasser ragte. Ich konnte sie jedoch kontern und den Fisch von den Pfählen fernhalten und ihn bald über den Kescher führen.

Erschöpft nach dem Drill
Erschöpft nach dem Drill – Fänger und Fisch.

Ein prächtiger Schuppenkarpfen ging mir da an den Haken und ein neuer persönlicher Rekord dazu. Mein erster 30 Pfünder. Genau 32 Pfund verteilen sich auf 83 cm. Die weitere Nacht blieb ruhig. Ich hatte ja meinen Erfolg und war nicht verärgert. Ich verkürzte trotzdem den Angeltrip um eine Nacht und fuhr am Vormittag wieder heim. Ein schöner und erfolgreicher Ausflug an einem mir angeltechnisch doch eher unbekannten See lag hinter mir.

Schuppenkarpfen, 32 Pfund bei 83 cm
Schuppenkarpfen, 32 Pfund bei 83 cm.

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